Bürokratische Entlastung
"Ein Drittel der Ärzte ist unzufrieden: hohe Arbeitsbelastung, viel Bürokratie" so lautete zuletzt wieder eine Schlagzeile in der Deutschen Ärztezeitung. Von allen Seiten wird das Thema polemarisiert - keiner jedoch ändert etwas.
Bereits 2005 veröffentlichte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Sonderpublikation mit dem Titel: Umfrageergebnisse zur Bürokratie in Arztpraxen. Das Ergebnis: Die bürokratische Belastung der Arztpraxen in Deutschland habe die zumutbaren Grenzen längst überschritten. Von durchschnittlich 55 Wochenarbeitsstunden verbrächten Haus- und Fachärzte 14 Stunden mit administrativen Tätigkeiten.
Die eigentliche Frage ist aber doch die: "Wie entlasten?"
Trotz aller Bekundungen wird die Bürokratie in der Arztpraxis auch in naher Zukunft kaum abnehmen. Um zusätzliche Belastung neben der „eigentlichen“ Arbeit zu vermindern, ist eine professionelle, effektive, effiziente und flexible Organisation notwendig. Nichtärztliche Aufgaben sind auf ihren Nutzen zu prüfen und möglichst an Mitarbeiter zu delegieren. Die – ggf. geförderte – Unterstützung durch spezialisierte Berater sind in Einzelfällen hinzuzuziehen.
Wichtig hierbei ist: Ein Arzt kann nicht alle Aufgaben selbst erfüllen. Er sollte sich auf seine Schwerpunkte konzentrieren, meist ist das der Patient. Alle anderen Aufgaben sind an Mitarbeiter und Dritte zu delegieren.
Unwirtschaftlich und selten produktiv wird es beispielsweise, wenn der Arzt selbst sich in die Themen Buchhaltung, Steuern und Betriebswirtschaft einarbeitet und diese für seine Arztpraxis über Jahre selbst erstellt. Eine einmal professionell errichtete Buchhaltung schützt ihn vor kosten- und zeitintensiver Nacharbeit. Richtig organisiert, spart ihm dies später bares Geld. Anstatt abends und an Wochenenden die Buchhaltung zu erstellen, sollte der Arzt sich fortbilden oder erholen. Ein entspannter Arzt hat zudem eine bessere Ausstrahlung auf den Patienten, als es das beste Marketing bewirken könnte.
Qualitätsmanagement (QM) in der Arztpraxis ist ein ebenfalls mit vielen negativen Aspekten belastetes Thema. Schuld hieran haben vor allem die unstrukturierten gesetzlichen Vorgaben. Und viele Programm- und Softwareanbieter tragen gleichsam ihren Anteil hieran bei, denn nur wenige verkaufen wirklich praxistaugliche, einfache und schnell erlernbare Lösungen. Dass QM tatsächlich Vorteile bietet, glauben daher nur wenige.
Richtig eingerichtet, bietet QM jedoch erhebliche Zeit- und Kostenvorteile: Dokumentierte Arbeitsabläufe in der Arztpraxis helfen vor allem neuen Mitarbeitern und Aushilfen sich - ohne Rückfrage beim Arzt - in bestimmte Handlungsabläufe einzuarbeiten. Zugleich bietet QM Rechtssicherheit, denn der Arzt kann sich auf festgeschriebene Arbeitsanweisungen berufen und sich damit entlasten (exkulpieren). Er muss lediglich die Einhaltung seiner Vorgaben durch die Mitarbeiter überwachen. Er verringert hierdurch das Risiko von Zivil- und Strafverfahren, vorausgesetzt die Arbeitsanweisungen entsprechen den gesetzlichen Vorgaben.
Für die richtige Organisation ist es hierbei nie zu spät. Das gilt vom Existenzgründer bis zum Praxisabgeber. Mit einigen Ausnahmen können für die Beratung zudem öffentliche Fördermittel in Anspruch genommen werden.
Wir haben langjährige Erfahrung in der rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Beratung von Arztpraxen. Die angesprochenen Themen sind nur ein Ausschnitt unserer Tätigkeit. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Dr. Andreas Staufer
Fachanwalt für Medizinrecht
Telefon 089 652001
News
-
Regenerative Energien - 05.05.2012Die Ärztezeitung berichtet über ein innovatives Projekt einer mit Solarenergie betriebenen Praxis für Strahlentherapie. ... weiterlesen
-
Fortbildung - 16.04.2012Am 23.04.2012 startet wieder das innovative Projekt "Arzt und Zukunft" an der LMU München. Ziel des Projektes ist es, die Lücke zwischen der medizinischen Ausbildung an der LMU und den unternehmerischen Anforderungen, die sich in der Berufslaufbahn stellen, zu schließen. ... weiterlesen
-
Weiterbildung - 12.04.2012Der Gesetzgeber will im Ausland erworbene Berufsqualfikationen einfacher anerkennen und damit qualifikationsnahe Beschäftigung fördern. ... weiterlesen
-
Wettbewerbsrecht - 11.04.2012Es ist schnell passiert. Ein falsches Wort, ein missgelaunter Patient und die Folge: Ein negativer Eintrag bei Go Local, Google Maps, Yameda oder einem der anderen Arztbewertungsportale. Fatal für das Marketing, gebrandmarkt auf ewig? Das muss nicht sein. ... weiterlesen
-
Gesetzliche Krankenversicherung - 22.03.2012Zur Delegation ärztlicher Aufgaben auf Fachpflegekräfte im Rahmen der Alten- und Krankenpflege im Rahmen von Modellvorhaben. ... weiterlesen
